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Der Zürcher Bote, Freitag 16. Oktober 2015

Informationsveranstaltung zum Lehrplan 21 in Brüttisellen

Die SVP Wangen-Brüttisellen und das Komitee «Eine Schule für unsere Kinder» luden letzthin zu einer Informationsveranstaltung zum Thema Lehrplan 21 
im Gsellhof in Brüttisellen ein. Das Thema weckte Interesse, waren doch zahlreiche Zuhörer anwesend.

Es waren verschiedene Referenten eingeladen, die den Lehrplan 21 aus ihrer Sicht beleuchteten. Moderiert wurde der Anlass von Herrn Koradi aus Dietlikon.

Als Erstes stellte Anita Borer, Präsidentin des Initiativkomitees und Kantonsrätin SVP, die kantonale Initiative «Lehrplan vors Volk» vor. Die Initianten wollen, dass das Volk über den neuen Lehrplan abstimmen kann. Im voluminösen, mehrere tausend Kompetenzen umfassenden Lehrplan werden die Reformen der letzten 20 Jahre zementiert. Der Lehrer wird zu einem Lerncoach umfunktioniert, den Schülern wird der Lernstoff nicht mehr strukturiert vermittelt, sondern sie sollen sich das Wissen im sogenannt selbst organisierten Lernen aneignen.

Die beiden Fächer Geschichte und Geografie sollen zu einem Fach verschmolzen werden. Die Grundstufe, die vom Zürcher Stimmvolk in einer Abstimmung abgelehnt wurde, soll durch die Hintertüre wieder eingeführt werden. Zudem kommen hohe Kosten für die Einführung des neuen Lehrplan dazu: Es müssen Multiplikatoren ausgebildet werden, die die Lehrpersonen in den neuen Lehrplan einführen und es müssen neue Lehrmittel geschaffen werden, die kompetenzorientiert aufgebaut sind.

Die Probleme, vor denen wir stehen, sind aber ganz anderer Art: Die Schülerinnen und Schüler erfüllen schlicht die Anforderungen nicht mehr, weil die Grundlagen in den Bereichen Schreiben, Lesen und Rechnen häufig nicht mehr richtig sitzen.

Frau Eichten vom Elternkomitee führte weiter aus, dass eben diese Grundlagen in der Schule nicht mehr gelernt werden. Der Lehrplan ist auf das Erlernen von Kompetenzen fixiert und beruht auf dem theoretischen Hintergrund des Konstruktivismus. Was in der Theorie sehr gut tönt, heisst für die Praxis nichts anderes, als dass die Schülerinnen und Schüler beim Lernen im Stich gelassen werden, da sie nicht mehr richtig angeleitet werden und sich die Lerninhalte selbstständig aneignen sollen.

Dies zeigt sich bereits heute, indem viele Eltern zuhause Stunden mit dem Erklären der Hausaufgaben bzw. des Lernstoffs verbringen, was ja genau die Aufgabe der Schule wäre.

Viele Lehrmeister erhoffen sich mit dem neuen Lehrplan eine Verbesserung der aktuellen Situation. Frau Wüthrich, langjährige Berufsschullehrerin, widersprach dem deutlich und erklärte, dass sich die Situation mit dem neuen Lehrplan keinesfalls verbessern werde. Sie brachte zahlreiche Beispiel aus der Praxis, die aufzeigten, dass auch in der Berufsschule die Grundlagen häufig nicht sitzen: So lernen die Lehrlinge die Rechtschreibung häufig nicht mehr fundiert und haben grösste Mühe einfache Sachtexte zu verstehen.

Das stellen nicht zuletzt auch viele Lehrbetriebe fest, welche sich über fehlende Grundlagen in Lesen, Schreiben und Rechnen ihrer Lehrlinge beklagen. Vielen Lehrlingen fehlt es ausserdem an genauem und sorgfältigem Arbeiten, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und Anweisungen zu befolgen usw.

Mit dem Lehrplan 21 erfolgt ein grundlegender Umbau der Volksschule – ohne jede Mitsprachemöglichkeit der Bürgerinnen und Bürger. Das überparteiliche Komitee «Lehrplan vors Volk» möchte mit der im Frühjahr lancierten kantonalen Volksinitiative erreichen, dass das Volk die Möglichkeit hat, über den Lehrplan 21 abzustimmen. Unterstützen deshalb auch Sie die Initiative www.lehrplan-vors-volk.ch

Martin Justitz, SVP Wangen-Brüttisellen