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Gemeinschaftsbildung als grundlegende Aufgabe des Kindergartens für die Entwicklung und das Lernen des Kindes

Im Kindergarten, in den altersdurchmischten Kindergruppen sind sowohl Sozialisation wie auch individuelle Förderung seit jeher Schwerpunkte.

Eine für das Kind ruhige, überschaubare Gemeinschaft ist Voraussetzung dafür, dass sich jedes Kind eine sichere Gefühlsgrundlage für die neue Lebenssituation (Kindergarten, Schule) aneignen kann.

Es ist eine grundlegende, wichtige und schöne Aufgabe, die Kinder in ihrem sozialen Verhalten zu stärken, sie im Mit- und Voneinander-Lernen zu unterstützen, jedes Kind in seiner Persönlichkeit zu erfassen, seinen Entwicklungsstand zu berücksichtigen und es dementsprechend zu stützen, zu ermutigen, zu fordern und zu fördern, um allen Kindern so gut wie möglich die Chancengleichheit zu gewährleiste.

Der Mensch ist in seinem Innersten ein Gemeinschaftswesen. Von Natur aus möchte das Kind mittun, sich zusammentun mit den andern. Es ist für seine Entwicklung in allen Bereichen auf den Mitmenschen angewiesen und kann nur in der Beziehung, durch die Beziehung lernen. Dies ist kein Gegensatz zur Selbständigkeit, im Gegenteil. Erst durch Sicherheit in der Beziehung kann das Kind selbständig werden.

Ein Beispiel aus meiner langjährigen (41 Jahre) erfahrungsreichen Kindergartenpraxis von einem ersten Schultag (Kindergartentag): Ich gebe zum Ausdruck, dass die Grossen und ich uns auf die neuen Freunde freuen und darauf, sie alle kennenzulernen. Die Grossen und ich singen ein Lied, das die Neuen eventuell auch schon kennen und laden die, die gerne möchten, zum Mitsingen ein. Ich gebe meiner Freude Ausdruck, wie das schöne getönt habe. Ich frage, ob eines der Neuen auch schon ein Lied kennen würde und das gerne vorsingen möchte. Meistens gibt es einige Kinder, die dies gerne tun. Ich kommentiere dies anschliessend, und zwar so: Ist das Kind zufrieden oder stolz, dass es schon alleine ein Liedchen singen kann, bin ich beeindruckt und lobe es. Hat das Kind offensichtlich falsch gesungen, den Text nicht mehr weiter gewusst oder ist verunsichert, oder hat sogar ein Kind oder haben mehrere gelacht, ergreife ich das erste Mal die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass wir das im Kindergarten so halten, dass wir niemanden auslachen. Dies sei nämlich sehr wichtig! „Wenn ihr in den Kindergarten kommt, wisst ihr und könnt ihr schon einiges, aber vieles auch noch nicht, müsst ihr auch noch nicht können. Deshalb kommt ihr hierher, um ganz vieles zu lernen. Darum müsst ihr wissen, dass es nichts macht, wenn man etwas noch nicht kann oder noch nicht so gut oder wenn ihr Fehler oder etwas falsch macht. Nur so kann man beginnen, etwas auszuprobieren, immer wieder zu machen und so zu üben, bis man etwas immer besser kann, wie zum Beispiel beim Singen von einem Lied. Wenn jetzt aber ein Kind ausgelacht wird, wenn es etwas nicht so gut kann, bekommt es Angst und hört auf zu üben und wird so vielleicht gar nicht mehr weiter lernen. „

Es ist wichtig, den Kindern schon von Anfang an eine Orientierung zu geben. Im Kindergartenalltag, im Stuhlkreis, wo alle beisammen sind, gibt es immer wieder Gelegenheit anhand einer, von allen miteinander real erlebten Situation Grundlegendes zu vermitteln, wie eben im obigen Beispiel das Fehlermachen, das Nicht-Auslachen, das Lernen und Üben überhaupt.

Damit es für alle Kinder möglich wird, sich wohlzufühlen, auch wirklich mitzutun und zu lernen, braucht es eine wohlwollende, freundliche Atmosphäre, die nur geschaffen werden kann durch eine verstehende Lehrerpersönlichkeit.

Es ist ausschlaggebend, wie die Kindergärtnerin an die Kinder herantritt, auf ihre Haltung und Einstellung gegenüber dem Kind, zu den Eltern, zu den Menschen überhaupt. Es muss ihr bewusst sein, dass sie, die Kindergärtnerin ein prägendes Vorbild ist. Sie darf in jeder Hinsicht absolut keine Vorurteile haben.

Noch ein Beispiel vom ersten Schultag:
„Ich sage, dass ich mich freue, mit ihnen allen nun zusammen zu spielen, zu schaffen und zu lernen. Damit wir dies alles miteinander tun können, sei es wichtig, dass kein Kind andere schlägt oder plagt, wenn es etwas gerne möchte oder wenn es sich ärgert, weil ein anderes Kind ihm etwas wegnimmt, dann soll es versuchen, mit dem anderen zu sprechen. Wenn dies nicht möglich ist, soll es zu mir kommen. Ich werde dabei helfen, die Konflikte zu lösen, und zwar so, dass wir im Kindergarten lernen, miteinander zu sprechen. Denn nur so können wir Freunde werden und es gut haben zusammen.“

Mit den verschiedenen neuen Lernformen, dem sogenannten Individualisieren, den Beurteilungen und der Kindergärtnerin nur noch als Lernbegleiterin (Coach), wird dieses gemeinsame Lernen in der Gemeinschaft nicht nur im schulischen Bereich, sondern überhaupt im mitmenschlichen Zusammenspiel, das eben auch wichtigste Gewaltprävention ist, abgeschafft!

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