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Was ist guter Unterricht

Guter Unterricht hängt in erster Linie von der unterrichtenden Lehrerin oder dem Lehrer ab.  Die Lehrer spielen im Leben des Kindes eine bedeutende Rolle als Vorbild und Bezugsperson, was jeder – denkt er an seine eigene Schulzeit zurück - nachvollziehen kann. Sie haben einen grossen Einfluss auf die Gestaltung des Unterrichts und die Stimmung in einer Klasse, im positiven wie im negativen Sinne. Strahlen sie Wohlwollen, Zuversicht, Geduld, Verständnis und Sicherheit aus, können sich Schülerinnen und Schüler in der Klasse geborgen fühlen und besser lernen. Alle Befunde zeigen, dass sich ein Kind erst dann in Ruhe seiner Umwelt und den Lerngegenständen zuwenden kann, wenn es sich bei einer Bindungsperson aufgehoben weiss. Das gilt auch für die Schule.

Jeden einzelnen Schüler in seiner Persönlichkeit zu erfassen und ihn während des Unterrichtsgeschehens im Auge zu haben, ist das Ziel eines gut unterrichtenden Lehrers. Er wird auf Schüler achten, die dem Lernen gerne ausweichen und ihnen Wege eröffnen, das Lernen anzupacken und sich den Aufgaben zu stellen. Aber auch leistungsstarke Kinder möchten mit ihrem Wissen zur Geltung kommen  und vom Lehrer gesehen werden. Es ist eine hohe Kunst, sowohl den Entmutigten zu stärken als auch dem leistungsstärkeren oder dem stilleren die nötige Zuwendung, Beachtung, Anerkennung und Unterstützung zu geben. Wie alle wissenschaftlichen Untersuchen zeigen, bietet der angeleitete Klassenunterricht mit Instruktion dazu die besten Voraussetzungen. Ein guter Lehrer weiss um die Vorzüge des Klassenunterrichts, bei der Erarbeitung von Stoffinhalten, wendet aber auch Gruppenformen an in Einübungsphasen, wenn die sozialen Fähigkeiten der Schüler das zulassen und vermag Schüler auch bei der Planung des Unterrichts miteinbeziehen. Ein guter Lehrer muss gerne mit jungen Menschen arbeiten, er sollte fachlich bewandert sein, Lernprozesse methodisch angemessen, aktivierend und strukturierend gestalten können, gut erklären und geschickt fragen, unauffällig helfen und die Kinder in ihrer Persönlichkeit richtig einschätzen und das Lernen in Gruppen leiten können.

Unsere Schulen brauchen keine Dozenten, auch keine Therapeuten und keine Kumpel und Coaches: sie brauchen Pädagogen, die gute Bildungsarbeit leisten. Es braucht Lehrer, die Kinder auf das Leben vorbereiten und ihnen Fertigkeiten und Fähigkeiten vermitteln, die für das Leben in der modernen Gesellschaft grundlegend sind. Dabei sollen sie die Kinder verständnisvoll und sicher durch alle Schwierigkeiten leiten, die gemeinsames Lernen mit sich bringt. Gleichzeitig dürfen sie ihnen Anstrengung und Selbstüberwindung nicht ersparen, sondern müssen ihnen etwas abverlangen. Ein Lehrer muss die Dinge altersgemäss erklären, interessante Probleme auswählen und didaktisch aufbereiten. Dabei ist es unumgänglich, Irrtümer aufzuklären, Falsches richtigzustellen, Leistungen zu verlangen und zu bewerten. Der Lehrer hat es in der Hand, dass seine Schüler nicht nur einen gesunden Ehrgeiz entwickeln und bewahren, sondern dass sie auch Schwächen akzeptieren und Hilfsbereitschaft entwickeln.

Er ist überzeugt, dass die Kinder zu kurz kommen, wenn man sie nur wachsen lässt. Darum fordert er sie auch immer heraus, regt sie an, ihre geistigen und sozialen Fähigkeiten auszuweiten und ihre Lernschwierigkeiten zu überwinden. Das stärkt die Entwicklung ihres Selbstwertgefühles. Das geht aber nicht immer in Harmonie und Wohlgefallen vonstatten. Gerade darum ist der Lehrer als Beziehungsperson unverzichtbar und für das schulische Lernen von entscheidender Bedeutung. Nur er vermag in der personalen Vermittlung einem zu Beginn Gleichgültigen nahezubringen, wie spannend und interessant die Auseinandersetzung mit der Welt ist, wie schön es ist, sich beim Lernen zusammenzutun und die Schwierigkeiten zu meistern, die sich dabei ergeben.

Die heutigen Kinder sind eine Herausforderung, sie sind oftmals verwöhnt, Einzelkinder und sind meist geprägt von übermässigem Medienkonsum. Viele sind es gewohnt, sich nur anzustrengen, wenn es ihnen passt und lassen sich schnell ablenken, was vom Lehrer viel Kraft erfordert, konsequentes Bemühen abzuverlangen. Ein guter Lehrer darf sich nicht für den einzigen halten, der etwas im Klassenzimmer zu sagen hat, er wird aber auch nicht ausschliesslich den Kindern das Wort überlassen. Er hat auch nichts gegen mehr Leben in der Schule, aber dieses Leben findet im regen Unterrichtsgeschehen statt.    


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