Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Keine taugliche Vorbereitung auf die Berufslehre mit dem Lehrplan 21

von Dr. iur. Marianne Wüthrich, langjährige Berufsschullehrerin

Die Ausbildungsverantwortlichen der Schweizer Unternehmen sind seit Jahren in grosser Sorge um den Zustand einer wachsenden Zahl von Schulabgängern. Oft finden sie kaum Lehrlinge, die nach neun oder zehn Schuljahren den notwendigen schulischen und menschlichen Grundstock für die Bewältigung ihrer Lebensaufgaben mitbringen. 

Viele Ausbildner in den Betrieben hoffen, dass sie mit dem LP21 endlich wieder «kompetente» Lehrlinge finden werden, die bereit sind zu lernen und sich anleiten zu lassen. Aber das ist ein schwerer Irrtum.

Zum Modul «Berufliche Orientierung»

Im Gewerbe meinen viele, der Lehrplan 21 gehe in die richtige Richtung. Vor allem die separaten Module «Berufliche Orientierung» und «IT und Medien»werden allgemein begrüsst. Aber: Aus meiner Erfahrung als langjährige Berufsschullehrerin genügt die Verpackung in ein Modul nicht – es kommt darauf an, was drin ist! mehr...

Genau diese heutigen Missstände würden mit dem Lehrplan 21 schweizweit zementiert und noch verschlimmert. 

  • Durch Training von «Kompetenzen» wird man nicht kompetent.  mehr ...
  • «Konstruktivismus» hat nichts mit einer technischen Konstruktion zu tun. mehr ...
  • Massstab der Lehrbetriebe an den Lehrplan der Volksschule sind die realen Erfordernisse des Lebens: Die Jugendlichen müssen lesen, schreiben und rechnen können. 
    Der Lehrplan 21 wird diese Erwartungen nicht erfüllen, im Gegenteil: mehr ...
  • Klassenunterricht als Königsweg zur Bildung. mehr ...

Zum Modul «IT und Medien»

Hier müssen wir uns eher Sorgen machen, dass der Lehrplan 21 zuviel Lernzeit der Schüler an den Computer verlegt. Die Informatik wird allen «Unterricht», beziehungsweise alles individualisierte Tun der Kinder ab der 1. Klasse und sogar schon im Kindergarten durchdringen und in – ausschliesslich! – digitalen Testserien für alle drei Zyklen münden. Dennoch lernen die Jugendlichen nicht einmal gezielt Tastaturschreiben! mehr...

Zum Fach Mathematik: Rechnen

Im Fach Mathematik sind die Berufsschulen bekanntlich bereits heute gezwungen, Stützkurse anzubieten, damit die Vermittlung des Berufsschulstoffes überhaupt möglich ist. Dieser Zustand würde sich mit dem LP21 verschlimmern. mehr ...

Zum Fach Mathematik: Geometrie

Eine wichtige Voraussetzung für die hohe Schweizer Qualität bildet(e) der anspruchsvolle Unterricht in Geometrie und im technischen Zeichnen in der Volksschule. Dort haben die Schüler bis vor einigen Jahren genaues, zuverlässiges und konzentriertes Arbeiten sowie Handfertigkeit gelernt. mehr ...

«Produktives Üben in Lernanlässen» – oder aufbauendes Üben, bis es sitzt?

«Produktives Üben orientiert sich an mathematischen Strukturen. In solchen Lernanlässen berechnen Schülerinnen und Schüler einzelne Operationen und gelangen zu einer verbesserten Geläufigkeit. Die zugrunde liegenden Strukturen können erforscht, dargestellt, weitergeführt, verändert und begründet werden. Geschicktes Rechnen beruht auf Beziehungen, die in produktiven Übungen bewusst werden.» (Didaktische Hinweise zur Mathematik, Seite 3) mehr ...

Zum Fach Deutsch: Leseverständnis und Umgang mit Sachtexten: Viel Aktionismus statt genaues inhaltliches Erfassen

Eine der wichtigsten Grundlagen für ein gutes Vorankommen in Lehrbetrieb und Berufsschule ist das Verstehen von Sachtexten. Die Lehrlinge müssen Fachbücher und Anleitungen, aber auch Abstimmungs- oder Versicherungsunterlagen lesen, inhaltlich genau erarbeiten und schliesslich wiedergeben können, worum es geht. Erst wenn der Inhalt eines Textes erfasst wird, kann «analysiert, diskutiert und reflektiert» werden. mehr ...

Zum Fach Deutsch: Schreiben - Formulieren

«In einen Schreibfluss kommen» und «Schreibblockaden überwinden» 

mehr ...

Zum Fach Deutsch: Rechtschreibung

Dringend notwendig wäre ein solider Deutschunterricht ab der 1. Primarklasse, in dem Grammatik, Rechtschreibung, Wortschatz und das Verstehen und Formulieren von Texten von Grund auf im Klassenunterricht vermittelt werden. 
Im LP21 hat ein systematisch aufgebauter Unterricht in deutscher Grammatik und Rechtschreibung keinen Platz. Aber lesen Sie selbst: mehr ...

Zum Fach Deutsch: Grammatik 

mehr ...

Fazit

Den Schweizer Unternehmungen, den Berufsverbänden und den Gewerkschaften, welche die Erhaltung unserer guten dualen Berufsbildung sichern wollen, ist dringend zu empfehlen, einen Marschhalt einzufordern und von den Bildungsverantwortlichen in ihren Kantonen eine Schule zu verlangen, wo die Kinder etwas lernen.

Der Lehrplan 21 erfüllt die berechtigten Forderungen der Lehrbetriebe nach einer genügenden Grundbildung in allen Fächern in keiner Weise. Die Verwendung des Begriffs „Kompetenzen“ führt in die Irre. Schon heute ist festzustellen, dass die Jugendlichen mit übermässigem „selbstgesteuerten“ Aktionismus nicht kompetent werden, das heisst nicht fähig, ihre Aufgaben in Beruf, Familie, Staat und Gesellschaft verantwortlich auszufüllen.

Warum ist das so?

Ganz einfach: In vielen Kantonen wird in der Volksschule bereits mit Lehrmitteln auf der Basis des LP21 operiert, und an den Pädagogischen Hochschulen werden die Junglehrer darauf getrimmt. Dies geschieht ohne Diskussion mit der Bevölkerung und ohne Volksabstimmungen in den Kantonen darüber, ob die Bürger einen für die Zukunft der Jugend und unserer Gesellschaft derart verhängnisvollen Lehrplan wollen oder nicht.