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Warum wir Inhalte im Lehrplan wollen

Man stellt sich als Bürger vor, in einem Lehrplan stünden für jedes Fach und für jedes Schuljahr bestimmte Inhalte, die in Methodenfreiheit in den Schulklassen zu erarbeiten sind. So würden am Ende des Schuljahres z.B. die Viertklässler in allen Zürcher Gemeinden in etwa die ähnlichen Themen durchgenommen haben. In Zürich hiesse dies beispielsweise: Kennenlernen der Stadt, Tram- und Busnetz, Geschichte und Strassen der eigenen Gemeinde, Sagen und Gründungslegenden der Stadt, Römer in Zürich, Lesen des Stadtplans, Brunnen und Wasserversorgung uvm. – Es geht in der Schule darum, dass sich die Schüler in jedem Fach und in jedem Schuljahr mit Freude neues Wissen aneignen, dieses jedes Jahr vertiefen und erweitern und so ihren Horizont Schritt für Schritt erweitern. Das stärkt die Persönlichkeit des Schülers, motiviert ihn zu weiteren Lernschritten und Erkundungen. Je mehr man weiss, desto mehr möchte man wissen und mit Freude erarbeitete Inhalte wecken neuen Lerneifer. 

Nun sucht man aber im Lehrplan21 vergeblich nach solchen verbindlichen Inhalten, die Grundlagen legen, Bausteine und Anreiz zum weiteren Lernen geben. Statt den genauen, kontinuierlichen und nötigen Wissensaufbau zu fördern, orientiert sich der LP21 am Aufbau von zahlreichen Kompetenzen.

Wozu dies in der Praxis führt, sei an zwei Beispielen gezeigt:

Eine Sechstklässlerin bereitet sich auf die Gymiprüfung vor. Sie bekommt einen Text über ein eingebildetes Huhn mit einem Zitat: „Ihr sollt keine andern Hühner neben mir haben.“ Der Schülerin fällt keine Assoziation ein. Hingewiesen auf die Zehn Gebote sagt sie, sie wisse nicht, was das sei. Sie ist Tamilin. Sie hat aber in ihrer ganzen Schulzeit bis jetzt noch nie von Moses oder den Zehn Geboten gehört! Eine angehende Gymnasiastin! – Sie hätte das Recht, wenigstens die wichtigsten Inhalte auch des Alten und Neuen Testaments kennengelernt zu haben. Es ist nicht recht, wenn die einen Schüler per Zufall diesen Inhalt mitbekommen, die andern halt eben nicht. Deshalb fordern wir im neuen Lehrplan verbindliche Inhalte für alle Fächer und Klassen.

Oder:

Eine 4.-Klässlerin bringt ein Arbeitsblatt über den Aufbau des Auges im Querschnitt – ein Inhalt aus der Oberstufe. Sie ist zusammen mit ihrer fremdsprachigen Mutter, die ihr helfen möchte, verzweifelt, kann die Aufgabe nicht lösen, ein verfehlter Inhalt! – Auf der Mittelstufe wäre der Inhalt bezüglich der Augen wohl etwa die Beobachtung des Auges von aussen, die Bedeutung des Sehorgans, was ist Sehschwäche, wie leben blinde Menschen u.ä? – Wenn die Inhalte in den einzelnen Fächern und Schuljahren nicht mehr festgelegt sind, ergibt sich ein grosses Wirrwarr für die Schüler, Überforderung, Entmutigung,Unterforderung auch, Wissenslücken, - kurz kein solider Aufbau und damit auch keine Freude und kein Ansporn zum kontinuierlichen Weiterlernen. Wenn wir wieder verbindliche Inhalte im Lehrplan haben, wissen wir worauf wir uns verlassen können, womit wir rechnen und worauf sich die Schüler freuen können.